Dezember 2005

Dekubitus als Pflegefehler
Erstattung enterale Ernährungstherapie
Die Bedeutung der Nass- / Trockenphase während der Wundreinigung
Neue Produkte:
3M Tegaderm Absorbent
PolyMem mit Silber

Dekubitus als Pflegefehler

Quelle: Werner Schell, Heilberufe 11/2005, S. 37-38

Das Auftreten von Durchliegegeschwüren (Dekubitus) ist immer vermeidbar. Auch bei moribunder Bewertung haben Patienten Anspruch auf die Anwendung der bei einem sonstigen kranken Patienten gebotenen ärztlichen und pflegerischen Sorgfalt!

Die insoweit einschlägigen Urteile des Bundesgerichtshofes (BGH) lassen sich in Kürze wie folgt beschreiben:

Die Pflegemaßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung eines Durchliegegeschwürs müssen dokumentiert werden: Bei der Verfolgung von Schadensersatzansprüchen kommen zu Gunsten eines Patienten Beweiserleichterungen in Betracht, wenn erforderliche Aufzeichnungen über Maßnahmen der Krankenpflege fehlen, die nicht die normale Grundpflege betreffen, sondern wegen eines aus dem Krankheitszustand des Patienten folgenden spezifischen Pflegebedürfnisses Gegenstand ärztlicher Beurteilung und Anordnung sind. In dem entschiedenen Fall war in der Krankendokumentation einer hochgradig dekubitusgefährdeten Patientin die Dekubitusgefahr nicht vermerkt worden. Es fehlten auch Aufzeichnungen über die angeordneten bzw. getroffenen Pflegemaßnahmen. Anweisungen des Krankenhauses zur Dekubitusprophylaxe bestanden nicht (Urteil des BGH vom 18.3.1986 - VI ZR 215/84 -).

Durchliegegeschwüre müssen durch intensive Pflegemaßnahmen vermieden werden: Bei einem querschnittsgelähmten Risikopatienten, der hinsichtlich eines Dekubitus besonders gefährdet ist, müssen intensive Pflegemaßnahmen angeordnet und durchgeführt werden. Wenn keine allgemeinen schriftlichen Anweisungen bestehen, müssen in der Krankendokumentation die ärztliche Diagnose sowie die ärztlichen Anordnungen hinsichtlich der Wahl der erforderlichen Pflegemaßnahmen festgehalten werden. Die Entscheidung über das, was zu tun ist, darf nicht allein dem Pflegepersonal überlassen bleiben. Es muss organisatorisch sichergestellt werden, dass die Dekubitusprophylaxe und -pflege ärztlich ausreichend überwacht wird (Urteil des BGH vom 2.6.1987 - VI ZR 174/86 -).

Vollständiger Text unter: www.heilberufe-online.de > Heilberuf-Kontext

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Erstattung enterale Ernährungstherapie

BVMed-Infokarte (Stand: November 2005)

ERNÄHRUNGSTHERAPEUTIKA

Rechtliche Grundlagen:
§ 31 Abs. 1 SGB V
i. V. m. Arzneimittel-Richtlinie Kapitel E Ziffer 15.1 – 15.4 vom 1. Oktober 2005

Ein neuer BVMed-Informationsflyer mit dem Titel „Enterale Ernährungstherapie“ gibt einen kompakten Überblick über die seit dem 1. Oktober 2005 geltenden neuen Voraussetzungen für die Verordnungs- und Erstattungsfähigkeit von Trink- und Sondennahrungen. Der BVMed informiert darin, in welchen medizinisch notwendigen Fällen Ärzte Standard- und Spezialnahrungen zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnen können. Ergänzend werden die Rechtsgrundlagen zur Erstattungsfähigkeit der zusätzlich benötigten Hilfs- und Verbandmittel dargestellt und die vom Patienten zu leistenden Zuzahlungen erläutert.

Download unter: www.bvmed.de > Pressemitteilungen > 23.11.2005

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Die Bedeutung der Nass- / Trockenphase während der Wundreinigung

Kammerlander, G.; Andriessen, A.; Asmussen, P.; Brunner, U.; Eberlein, T.:
Role of the wet-to-dry phase of cleansing in preparing the chronic wound bed for dressing application
Journal of Wound Care, Vol 14, No 8, September 2005: 349-352

Die Wundreinigung sollte schonend und effektiv durchgeführt werden. Das bezieht sich auf den eigentlichen Reinigungsprozess als auch auf die eingesetzten Wundauflagen.

Ziele eines Debridement und / oder Wundreinigung sind folgende:

  • Reduktion oder vollständige Entfernung von Fremdkörpern, Zelltrümmern, verletztem und infiziertem Gewebe.
  • Hilfe bei der Einschätzung der genauen Wundgröße und -tiefe.
  • Überführung einer nekrotischen Wunde in eine saubere akute Wunde.
  • Schutz des Patienten vor Mikroorganismen und Infektionen (lokal und systemisch).
  • Schutz des Wundrandes und der wundumgebenden Haut vor Mazerationen und Ekzemen.

Mit Hilfe der Nass- / Trockenphase können diese Ziele erreicht werden.

Durchführung:

Während der ersten Phase (Nassphase) wird die Wunde und die wundumgebende Haut mit einem feuchten Umschlag für ca. 15 bis 60 Minuten abgedeckt (Abb. 1). Die Dauer richtet sich nach dem Entzündungsgrad. Für eine oberflächliche Standardreinigung sind 10 – 15 Minuten ausreichend, bei einer schweren Entzündung muß die Zeitdauer verlängert werden.
Als Feuchtigkeitsspender eignen sich zwei oder drei Lagen Gaze oder ungewebtes Material, wie z.B. Hydrofaser-Wundauflagen. Die Fixierung erfolgt mittels Schlauchverband oder Fixierbinde.
Durch die Verdunstung der Flüssigkeit kommt es zu einer Reinigung und Kühlung der Wunde (Evaporation). Die Folge ist eine Reduktion der Entzündungsreaktion (Abb. 2).

Nassphase
Abb. 1: Während der ersten 15 Minuten wird Flüssigkeit aus der feuchten Auflage auf die Wundoberfläche und die wundumgebende Haut abgegeben.
  Abb. 2: Durch die Verdunstung der Flüssigkeit kommt es zur Reinigung und Kühlung der Wunde. Die Folge ist eine Reduktion der Entzündungsreaktion.
Erläuterungen
   
  feuchte Wundauflage
  Wundbett
  Flüssigkeit aus der Wundauflage
  Verdunstungskälte
  Gewebetrümmer, Wundsekret etc.


Die applizierte Reinigungsflüssigkeit sollte klinisch effektiv und nichttoxisch sein. Beispiele sind isotonische Kochsalzlösung oder Ringerlösung.
Bei lokalen Infektionen können antiseptische Lösungen eingesetzt werden. Die Substanzen sollten schnell wirksam sein. Iod und Octenidin sind vergleichbar in ihrer Wirksamkeit gegenüber Bakterien. Octenidin ist allerdings wirkungslos gegenüber Sporen und Protozoen.
Iod ist gewebeverträglicher als eine Kombination aus Octenidin und Phenoxyethanol (= Octenisept – Anmerkung von HoppeConsult) oder Chlorhexidin-Präparate, noch gewebeverträglicher sind allerdings Polyhexanid und Taurolidin.

In der Trockenphase wird die Wunde mit einer sterilen Wundgaze für 15 Minuten abgedeckt. Ziel ist die Herstellung der Integrität der wundumgebenden Haut und eine weitere Wundreinigung.
Im Anschluss daran erfolgt die Abdeckung mit einer modernen Wundauflage, entsprechend dem Wundtyp und der Wundheilungsphase. Auch darunter setzt sich die Evaporation fort (Abb. 3).

Trockenphase
  Abb. 3: In einem Zeitraum bis zu sechs Stunden setzt sich die Evaporation fort und die Wundauflage nimmt Zelltrümmer, Exsudat und Bakterien auf. Ein Verbandwechsel ist nötig.
Erläuterungen
   
  Wundbett
  trockene Gaze
  Verdunstungskälte
  Absorption von Wundsekret etc.
  Gewebetrümmer, Wundsekret etc.

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Neue Produkte

3M Tegaderm Absorbent

Als Weihnachtsgeschenk präsentiert uns die Firma 3M eine transparente Wundauflage auf Basis eines Acryl-Polymers. Großer Vorteil ist die Transparenz, die eine Beobachtung der Wunde ohne Verbandwechsel gestattet. Im Gegensatz zu reinen Film- oder Folienverbänden kann die Wundauflage Sekret speichern, so dass zumindest bei schwach bis mäßig exsudierenden Wunden längere Verweilzeiten möglich sind. Wie beim 3M Foam Schaumverband gibt es 3M Tegaderm Absorbent nicht nur in einer rechteckigen Form sondern auch oval. Diese Form hat sich insbesondere im Fersenbereich als sehr praktisch erwiesen.

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PolyMem mit Silber

In diesem Jahr hat die Firma MediSet ihre Serie PolyMem um silberhaltige Wundauflagen erweitert. In jeweils einer Größe wird das Sortiment Wund-Pad mit selbstklebendem Fixiervlies (Wundkissen 9 x 9 cm) und nicht klebendes Wund-Pad (Größe 10 x 10 cm) erweitert. Zusätzlich ist unter Spezial-Pads eine silberhaltige Tamponade (Länge 8 cm) erhältlich.

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